| Einsatzübung "Dachstuhlbrand Gotisches Rathaus" - 27.09.2008
Feuerwehrgroßübung in Weißenburg
OB mit Drehleiter "gerettet"
Brand im Dachgeschoss des Gotischen Rathauses angenommen - Wasser vom Aumühlweiher gefördert
WEISSENBURG (rr) – Die Weißenburger Feuerwehr hat Oberbürgereister Jürgen Schröppel mit der Drehleiter aus einem Fenster des Westgiebels am Gotischen Rathaus geholt. Dichter Rauch quoll am Samstagnachmittag aus dem historischen Gebäude. Die Rettungskräfte hatten für die Großübung zur Feuerwehraktionswoche einen Vollbrand des Dachgeschosses angenommen. Eine Person, eben der OB, musste geborgen werden.
Die Übung sorgte für großes Aufsehen in der Innenstadt. Dass zahlreiche Einsatzfahrzeuge mit Martinshorn und Blaulicht am Samstagnachmittag in die Innenstadt eilten, machte doch einige neugierig. Außerdem waren in der Altstadt auch noch etliche Passanten unterwegs.
Die Szenerie mit ihrem durchaus ernsten Hintergrund, hatte aber auch ihre unterhaltsamen Seiten. Während die Wehrleute aus ihren Fahrzeugen sprangen, eiligst Schläuche ausrollten, Pressluftatmer anlegten, Pumpen aufstellten und Hochdrucklüfter in Position brachten, saßen einige Menschen keine fünf Meter daneben seelenruhig vor Kaffee und Bier. Und an der Kreuzung am Gasthaus "Zum Schiff" erhielten etliche Autos kostenlos eine Unterbodenwäsche, weil just dort, wo die Versorgungsleitung über die Straße verlegt war, ein Feuerwehrschlauch geplatzt war und das Wasser unter Hochdruck herausschoss.
Doch das nur am Rande, zurück zur Übung. Die Feuerwehr Weißenburg drang in das Gotische Rathaus unter schwerem Atemschutz ein. Zwei Wehrmänner, die mit Wärmebildkamera und zur Eigensicherung mit einem Wasserstrahlrohr ausgerüstet waren, übernahmen diese Aufgabe. Sie suchten den OB und brachten ihn in den vernebelten Räumen zu dem Giebelfenster, über das er mit der Drehleiter geborgen wurde.
Die restlichen Kräfte der Weißenburger Wehr bauten derweilen den Löschangriff von außen auf. Dazu wurden Kommandant Klaus Knaupp zufolge "fünf C-Rohre eingesetzt". Auch die Drehleiter wurde nach der Personenrettung zur Brandbekämpfung mit einem sogenannten Wende-strahlrohr ausgerüstet.
Um die Versorgung der Einsatzstelle mit Löschwasser sicherzustellen, wurde neben den Hydranten am Marktplatz, in der Luitpoldstraße und Am Hof, die allesamt vom Hochbehälter in der Holzgasse gespeist werden, von zwei Ortsteilwehren eine Schlauchleitung von der Niederhofener Straße zum Gotischen Rathaus verlegt. Knaupp: "Der dortige Hydrant gehört zu einer anderen Druckzone des Wassernetzes und wird vom Rohrberg her gespeist."
Als weitere Wasserquelle wurde für die Übung der Aumühlweiher genutzt. Der Seeweiher war vom Fischereiverein vor wenigen Tagen zum Abfischen abgelassen worden und stand somit nicht zur Verfügung. Knaupp: "Dies könnte bei einem echten Großbrand auch einmal der Fall sein." Der Zeitraum vom Ablassen bis zum vollständigen Wiederbefüllen beträgt in der Regel zwei Wochen. Und wenn Instandsetzungsarbeiten an der Stadtmauer anstehen, könnte der Seeweiher auch über mehrere Wochen leer sein.
Um das Wasser über die rund 1,5 Kilometer vom Aumühlweiher zum Gotischen Rathaus fördern zu können, wurde neben dem Schlauchwagen der Weißenburger Wehr fünf Ortsteilwehren eingesetzt, die drei Pumpen zum Verstärken des Wasserdrucks im Abstand von circa 400 Metern in die Leitung einbauten und die Schlauchleitung verlegten. Nach Angaben von Kommandant Knaupp förderte die Leitung vom Aumühlweiher zur angenommenen Brandstelle rund 800 Liter Wasser pro Minute.
Auch die Versorgung der Drehleiter vom Hydranten Am Hof wurde von einer Ortsteilwehr bewerkstelligt, sodass neben der Weißenburger die Wehren aus Dettenheim, Emetzheim, Haardt, Holzingen, Kattenhochstatt, Rothenstein, Suffersheim und Weimersheim teilnahmen. Lediglich Oberhochstatt fehlte.
Übungsschwerpunkt war Knaupp zufolge die Wasserförderung über lange Wegstrecken und die Wasserentnahme aus zwei Druckzonen des öffentlichen Netzes, wodurch sichergestellt wird, dass die Wasserversorgung im Innenstadtbereich nicht zusammenbricht. Außerdem wurden die Pumpenstandorte ermittelt, die für die Versorgungsleitung vom Aumühlweiher in die Stadt notwendig sind. Sie werden in den entsprechenden Notfallplan eingetragen und stehen im Ernstfall zur Verfügung. Knaupp: "Wie wichtig die Kenntnis dieser Standorte ist, hat sich beim Brand der Buchhandlung Meyer gezeigt, denn dadurch konnte die Schlauchleitung von der Rezat zum Brandobjekt sehr schnell verlegt und ohne Druckschwankungen betrieben werden."
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